Selbstgesteuertes Lernen - Was ist "SegeL-Unterricht"?

Die Heterogenität unserer Schülerinnen und Schüler erfordert stark individualisierte Lernformen. Kinder und Jugendliche benötigen zum Lernen unterschiedlich lange, verlangen Aufgaben in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und verfügen über unterschiedliche Strategien, mit denen sie sich neue Inhalte aneignen.

Daher gibt es in der Gesamtschule Lengerich/Tecklenburg unter anderem wöchentlich sechs Stunden selbstgesteuertes Lernen oder „SegeLn“, in denen die Mädchen und Jungen im eigenen Tempo, auf verschiedenen Niveaus, mit variablen Lernzugängen und selbstständig Aufgaben der Fächer Deutsch, Englisch und Mathematik bearbeiten. In den SegeL-Stunden üben und vertiefen sie Inhalte, die zuvor in den Fachstunden erarbeitet worden sind.

Die Schülerinnen und Schüler sollen auf diese Weise befähigt werden, ihren Lernprozess in wachsendem Maße selbst zu steuern und Verantwortung dafür zu übernehmen. Von Klasse 5 bis Klasse 10 werden ihnen Möglichkeiten geschaffen, ihre Fähigkeiten zum eigenverantwortlichen Lernen weiterzuentwickeln. Hier können die Kinder lernen,

  • sich selbst Ziele zu setzen
  • den eigenen Lernprozess zu planen
  • zu entscheiden, welche Hilfen sie benötigen
  • geeignete Lernstrategien auszuwählen und dazu unterschiedliche Lernmedien zu nutzen
  • den Erfolg ihrer Bemühungen selbst zu beobachten und zu bewerten.
     

Komplexe, weiterführende Aufgaben sind ein Anreiz und eine Herausforderung für leistungsstarke Schülerinnen und Schüler und stärken ihre Motivation. Leistungsschwächeren Schülerinnen und Schülern bieten Basisaufgaben die Möglichkeit, erfolgreich zu lernen. Die Möglichkeit, das jeweils passende Lerntempo zu wählen, spielt hier eine wesentliche Rolle.

Wesentlich dabei ist, dass auf diese Weise sowohl schneller als auch langsamer lernende Schülerinnen und Schüler gleichermaßen Freiräume haben, um die Arbeit selbst und eigenverantwortlich durchzuführen und auch eigene Interessen und Fragestellungen zu entwickeln.

Dafür werden in den Fachteams Deutsch, Mathematik und Englisch der einzelnen Jahrgangsstufen Lernpläne für die jeweiligen Unterrichtseinheiten entwickelt, die wir „Checklisten“ nennen. Sie enthalten sowohl Pflicht- als auch Wahlaufgaben auf jeweils zwei Niveaustufen und darüber hinaus sogenannte „Sternchenaufgaben“, die besondere Herausforderungen darstellen.

Die anfängliche Sorge mancher Eltern, dass ein Kind möglicherweise immer nur am unteren Rand seiner Leistungsfähigkeit arbeitet, erweist sich in der Praxis als unbegründet. Vielmehr zeigt sich, dass die meisten Schülerinnen und Schüler aus Ehrgeiz zunächst die „schwereren“ Aufgaben wählen, den leistungsstärkeren Mitschülern nacheifern und bemerkenswert schnell - innerhalb weniger Wochen – lernen, ihre Leistungsfähigkeit in den verschiedenen Fächern realistisch einzuschätzen.

Die Fachlehrer begleiten sie in den SegeL-Stunden, in denen oft zeitgleich zwei Lehrer eingesetzt sind, in ihrer Arbeit fachlich und methodisch und stehen einzelnen Schülerinnen und Schülern oder kleinen Schülergruppen als Lernberater zur Verfügung. Sie geben regelmäßig Rückmeldung und besprechen erledigte Aufgaben mit ihnen. Zudem unterstützen sie die Kinder und Jugendlichen – wenn nötig – bei der Auswahl der Anspruchsniveaus und der Wahlaufgaben und bei der sinnvollen Einteilung der Wochenarbeitszeit.

Während der SegeL-Stunden erhalten die Mädchen und Jungen auch die Möglichkeit, sich auf anstehende Klassenarbeiten vorzubereiten.

Selbstgesteuertes Lernen wird in der Gesamtschule Lengerich/Tecklenburg als pädagogisches Prinzip auch in Phasen des Fachunterrichts realisiert, neben den Hauptfächern auch in Naturwissenschaften und Gesellschaftslehre. So erhöht sich in der Praxis der Anteil der durch individuelles Lernen besonders geprägten Unterrichtsstunden deutlich.

Ablauf der SegeL-Stunden:

Zu Beginn der Woche organisieren die Schülerinnen und Schüler (unterstützt durch eine Klassenlehrerin / einen Klassenlehrer) ihre sechs Unterrichtsstunden mit selbstgesteuertem Lernen in der Wochenplanungsstunde.

Innerhalb der SegeL-Stunden gibt es einen festen Ablauf, Rituale und Regeln, die dafür sorgen, dass die Schülerinnen und Schüler in Ruhe effektiv lernen können. Die Phasenuhr strukturiert und visualisiert den regelmäßigen Rhythmus der Lernphasen.

Am Anfang jeder SegeL-Stunde gibt es eine kurze Organisationsphase („violette Phase“), in der die Kinder und Jugendlichen zunächst festlegen, in welchem Fach / in welchen Fächern sie arbeiten möchten, welche Aufgaben im Lernplan (in der „Checkliste“) anstehen und in der sie das notwendige Material beschaffen und bereitlegen.

Die „orange Phase“ ist die sogenannte „Stillarbeitsphase“. In dieser Zeit arbeiten die Kinder in vollständiger Ruhe an ihren Aufgaben. Es darf nicht
geredet und auch nicht herumgelaufen werden.

In der zweiten Organisationsphase können die Schülerinnen und Schüler neue Arbeitsmaterialien holen und vor der anschließenden Flüsterphase mit Mitschülerinnen und Mitschülern absprechen, welche Lernpartnerschaften sie bilden möchten.

Die „grüne Phase“ ist eine Partner- oder Gruppenarbeitsphase, wir nennen sie auch „Flüsterphase“. Natürlich ist es ihnen auch möglich, weiterhin allein ihren Aufgaben nachzugehen.

In der Flüsterphase können immer einige Kinder den Klassenraum verlassen und auch im benachbarten Differenzierungsraum oder in Lernnischen in der Klassenraumnähe (z.B. im Flur oder im Foyer) arbeiten.

Um dies zu erleichtern und damit die Lehrerinnen und Lehrer jederzeit wissen, wo ein Kind sich aufhält, gibt es die „Draußenarbeitspässe“. Diese heftet man vor dem Verlassen des Klassenraums an ein bestimmtes Plakat, sodass alle sehen können, wer sich im Differenzierungsraum, auf dem Flur oder im Foyer aufhält.

Grüner Draußenarbeitspass:

Der grüne Draußenarbeitspass ist für Schülerinnen und Schüler gedacht, die ohne Schwierigkeiten außerhalb des Klassenraums arbeiten können. Hierzu müssen sie über einen längeren Zeitraum gezeigt haben, dass sie gewissenhaft arbeiten können, ohne dass eine Lehrerin oder ein Lehrer durchgehend in deiner Nähe ist.
Zur Arbeit außerhalb des Klassenraums gehört auch, dass man sich verlässlich mit den Aufgabenstellungen beschäftigt und zielgerichtet arbeitet. Diesen Pass muss man sich verdienen und man muss ihn wieder abgeben, wenn man negativ auffällt.

Gelber Draußenarbeitspass:

Der gelbe Draußenarbeitspass ist für Schülerinnen und Schüler gedacht, die zwar gezeigt haben, dass sie gewissenhaft und eigenverantwortlich arbeiten können, aber dies noch nicht über einen längeren Zeitraum geschafft haben. Bevor sie den Unterrichtsraum zum Lernen verlassen dürfen, müssen sie die Lehrerin / den Lehrer fragen und plausibel erklären, weshalb sie lieber woanders lernen möchten.

Organisieren lernen mit dem Wochenplaner

Die Eintragungen im Wochenplaner dienen dazu das selbstgesteuerte Lernen zu planen, zu dokumentieren und zu reflektieren.  Er ist für die Schülerinnen und Schüler ein wichtiger Organisationshelfer und unterstützt darüber hinaus die Kommunikation zwischen Eltern und Lehrerinnen und Lehrern.
 

Mit seiner Hilfe planen sie zunächst ihre Aufgaben für die gesamte Woche.
Im Wochenplaner dokumentieren sie nach jeder SegeL-Stunde, welche Aufgabe(n) sie fertiggestellt, kontrolliert und, falls notwendig, auch überarbeitet haben. Sie vermerken zudem, wie schwer ihnen die einzelnen Aufgaben gefallen sind und wobei sie noch Hilfe benötigt haben.
Darüber hinaus verschaffen sie sich, über das Einfärben der Zeitleisten am rechten Rand einen Überblick über ihre aktuelle Wochenarbeitszeit und behalten die ausgewogene Berücksichtigung aller drei Hauptfächer stets im Auge.
Über einen Blick in den Wochenplaner erhalten auch die Lehrerinnen und Lehrer - und nicht zuletzt ihre Eltern - einen Überblick darüber.
Auf der Basis dieser Eintragungen führt eine Klassenlehrerin / ein Klassenlehrer wöchentlich mindestens eine Lernberatung durch. Dabei tauschen sie sich mit den Kindern darüber aus, welche Lernfortschritte gemacht wurden, wo und weshalb es noch Schwierigkeiten gab und ob Kinder bestimmte Fächer bevorzugt oder andere vermieden haben. Beim gemeinsamen Formulieren der Ziele für die nächste Woche können sie entsprechende Hinweise geben, die im Wochenplaner festgehalten werden.

Die Kinder und Jugendlichen lernen auf diese Weise, ihr eigenes Lernen zu reflektieren und Verantwortung für ihre Lernfortschritte zu übernehmen.

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