Gemeinsam Zukunft gestalten – Projektwoche im Zeichen der „Global Goals“

Hämmern aus dem Werkraum, Musik aus dem Nachbarraum, angeregte Diskussionen auf den Fluren – und Schülerinnen und Schüler, die großformatige Leinwände bemalten, Armbänder knüpften oder an eigenen Filmprojekten arbeiteten: Wer in der letzten Schulwoche die Gesamtschule Lengerich/Tecklenburg erlebte, merkte schnell, dass hier etwas anders war. Statt des gewohnten Unterrichts bestimmten Neugier, Kreativität und Teamarbeit den Schulalltag.

Bereits zum zweiten Mal fand die standortübergreifende Projektwoche statt. Nachdem im vergangenen Jahr der Schulwert „Respekt“ den thematischen Rahmen bildete, standen diesmal die 17 Nachhaltigkeitsziele (Global Goals) der Vereinten Nationen im Mittelpunkt. Drei Tage lang beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 5 bis Q1 mit der Frage, wie nachhaltiges Handeln im Alltag gelingen kann – weltweit und direkt vor der eigenen Haustür. Ziel war es, globale Herausforderungen nicht nur kennenzulernen, sondern sie durch eigenes Erleben und Mitgestalten greifbar zu machen.

Insgesamt 52 Projekte machten deutlich, wie vielfältig Nachhaltigkeit sein kann. Während einige Gruppen am Natur- und Geoparkzentrum ANTL die Wasserqualität heimischer Gewässer untersuchten oder den Lebensraum Wald erkundeten, lernten andere auf Bio- und Ziegenhöfen ökologische Landwirtschaft kennen. Es wurden Insektenhotels gebaut, Seedbombs hergestellt und Müll in Wald und Umgebung gesammelt. Aus Beobachtungen wurden Erkenntnisse – und aus Ideen oft ganz konkrete Projekte.

Auch der bewusste Umgang mit Ressourcen spielte eine zentrale Rolle. In Kochprojekten entstanden Gerichte aus regionalen und saisonalen Zutaten sowie kreative Ideen gegen Lebensmittelverschwendung. Im Projekt „Slow Fashion“ setzten sich die Jugendlichen kritisch mit den Folgen der Fast-Fashion-Industrie auseinander und organisierten eine Kleidertauschbörse. Aus gebrauchten Getränkekartons wurden praktische Alltagsgegenstände gefertigt, während mithilfe von 3D-Druckern Ersatzteile entstanden, die kaputten Gegenständen ein zweites Leben schenkten.

An vielen Orten wurde gleichzeitig gefilmt, gemalt, musiziert und gestaltet. Stop-Motion-Filme, Podcasts und Kurzvideos erklärten die Global Goals aus der Sicht der Jugendlichen. Im Hip-Hop-Projekt entstanden eigene Raptexte, Graffiti-Motive und individuell gestaltete T-Shirts. Andere Gruppen schufen großformatige Kunstwerke, die künftig das Schulgebäude bereichern und die Botschaften der Projektwoche sichtbar machen.

Dass nachhaltige Entwicklung weit mehr bedeutet als Umwelt- und Klimaschutz, zeigten zahlreiche weitere Projekte. Schülerinnen und Schüler absolvierten die Ausbildung zum DFB-Junior-Coach, entwickelten Ideen für ein Schulpatenprogramm oder trainierten in Erste-Hilfe-Kursen den Umgang mit Notfallsituationen. Beim Projekt „Radeln ohne Alter“ begleiteten sie Seniorinnen und Senioren auf Rikschafahrten und erfuhren, wie wertvoll ehrenamtliches Engagement sein kann. Andere organisierten einen Flohmarkt oder verkauften selbst gestaltete Armbänder, deren Erlös der Partnerschule der Gesamtschule in Thailand zugutekommt.

Besonders in Erinnerung bleibt die Atmosphäre dieser drei Tage. Statt in festen Klassenverbänden arbeiteten die Schülerinnen und Schüler jahrgangsübergreifend in ihren Wunschprojekten zusammen. Es wurde geplant, ausprobiert, diskutiert und gelacht. Überall war zu spüren, mit wie viel Engagement und Begeisterung die Jugendlichen ihre Ideen entwickelten und Verantwortung übernahmen.

Den Abschluss bildete eine gemeinsame Präsentation der Ergebnisse. Filme flimmerten über die Leinwand, Kunstwerke wurden ausgestellt, Produkte vorgestellt und Erfahrungen ausgetauscht. Dabei zeigte sich eindrucksvoll, dass Lernen besonders dann nachhaltig wirkt, wenn junge Menschen ihre Umwelt aktiv mitgestalten können. Die Projektwoche machte deutlich: Die 17 Global Goals sind nicht nur internationale Ziele – sie beginnen mit vielen kleinen Ideen, die direkt vor der eigenen Haustür entstehen.

Nach dem erfolgreichen Auftakt im vergangenen Jahr war auch die zweite standortübergreifende Projektwoche ein voller Erfolg. Sie hat sich inzwischen als fester Bestandteil des Schullebens der Gesamtschule Lengerich/Tecklenburg etabliert und zeigt eindrucksvoll, wie Lernen über den Unterricht hinaus gelingen kann: praxisnah, kreativ, gemeinschaftlich und mit dem Ziel, junge Menschen zu ermutigen, Verantwortung zu übernehmen und Zukunft aktiv mitzugestalten.

 

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