Cybergrooming im Fokus: Präventionstag im Jahrgang 7
Medienkompetenz heißt auch Selbstschutz
Präventionstag „Cybergrooming und Mediensexualisierung“ im Jahrgang 7
Schon auf den Fluren wird deutlich: Heute ist kein gewöhnlicher Schultag. Pfeile weisen den Weg zu Workshops, an den Türen hängen Schilder mit Überschriften wie „Cybergrooming – Täterprofile“, „Psychische Folgen“ oder „Cybergrooming und Rechtliches“. Am Mittwoch, den 28. Januar 2026, steht im Jahrgang 7 des Standorts Lengerich der Gesamtschule ein Thema im Mittelpunkt, das viele betrifft und dennoch häufig im Verborgenen bleibt. Nachdem der „Cybergrooming-Tag“ bereits in der Woche zuvor am Standort Tecklenburg stattgefunden hatte, wird nun auch in Lengerich Raum für Information, Austausch und Sensibilisierung geschaffen.
In den Klassenräumen sitzen die Schülerinnen und Schüler aufmerksam vor Präsentationen. Auf dem Bildschirm erscheint die Frage: „Was ist Cybergrooming?“ Gemeinsam wird erarbeitet, was hinter dem Begriff steckt: das gezielte Ansprechen von Kindern und Jugendlichen im Internet mit dem Ziel, sie zu manipulieren und sexuell zu belästigen oder zu missbrauchen. Schnell wird klar, dass Täter dabei systematisch vorgehen, anonym auftreten und sich häufig jünger ausgeben, als sie tatsächlich sind.
Doch es bleibt nicht bei Theorie. In Kleingruppen bearbeiten die Schülerinnen und Schüler Arbeitsblätter, diskutieren Aussagen wie „Opfer von Cybergrooming sind selbst schuld“ oder setzen sich mit der Frage auseinander, wer eigentlich betroffen sein kann. Die Erkenntnis überrascht manche: Cybergrooming kann jeden treffen – unabhängig von Geschlecht, Selbstbewusstsein oder sozialem Umfeld.
Besonders eindrücklich sind die Aufgaben zu den psychischen Folgen von Cybergrooming. Begriffe wie Angst, Scham, Schuldgefühle oder Vertrauensverlust werden nicht nur benannt, sondern gemeinsam reflektiert. Immer wieder wird dabei eine zentrale Botschaft hervorgehoben: Nicht das Opfer macht etwas falsch – die Schuld liegt beim Täter.
In weiteren Workshops geht es um typische Vorgehensweisen von Täterinnen und Tätern. Die Schülerinnen und Schüler lernen, wie Vertrauen aufgebaut wird – durch Komplimente, Aufmerksamkeit, kleine Geschenke oder den Wunsch nach Geheimhaltung. Anhand von Fallbeispielen überlegen sie, wann ein Kontakt problematisch wird und welche Warnsignale ernst genommen werden sollten, etwa der Druck, private Fotos zu verschicken oder sich im „echten Leben“ zu treffen.
Auch rechtliche Aspekte spielen eine Rolle. Cybergrooming ist strafbar – eine Information, die viele Schülerinnen und Schüler erstmals bewusst wahrnehmen. Gleichzeitig erfahren sie, wie sie sich konkret schützen können: keine persönlichen Daten weitergeben, verdächtige Kontakte blockieren, Chats beenden, Beweise sichern und vor allem Hilfe suchen.
Ein zentrales Anliegen des Präventionstages ist genau diese Botschaft: Hilfe holen ist richtig und wichtig. Die Schülerinnen und Schüler lernen verschiedene Anlaufstellen kennen – innerhalb der Schule bei Lehrkräften, der Schulsozialarbeit und den Medienscouts, aber auch außerhalb, etwa über anonyme und kostenlose Beratungsangebote.
Gestaltet wird der Präventionstag maßgeblich von den ausgebildeten Medienscouts der Klassen 7 bis 10 beider Standorte, die im Bereich der Medienprävention engagiert tätig sind. Begleitet und unterstützt werden sie dabei von den beiden Lehrkräften Kathrin Rasch und Christian Althoff, die die Medienscouts bereits im Vorfeld intensiv vorbereitet haben und sie auch am Präventionstag selbst begleiten. Darüber hinaus sind die Schulsozialarbeit sowie die Medienkoordination aktiv in die Durchführung eingebunden.
Gemeinsam sorgen alle Beteiligten der Schulgemeinde für einen klar strukturierten Ablauf und eine altersgerechte, verantwortungsbewusste Auseinandersetzung mit dem Thema. Es wird intensiv gearbeitet, diskutiert und nachgedacht. Im Anschluss erhalten die Schülerinnen und Schüler unterrichtsfrei, um die Inhalte in Ruhe zu reflektieren und das Erlebte wirken zu lassen.
Am Ende dieses Tages nehmen sie mehr mit als ausgefüllte Arbeitsblätter. Sie nehmen Wissen mit, Handlungssicherheit – und das Gefühl, mit Fragen und Sorgen nicht allein zu sein. Der Präventionstag zeigt deutlich: Medienkompetenz bedeutet nicht nur, digitale Angebote nutzen zu können, sondern auch, sich selbst zu schützen.











