Wenn Schatten Geschichten erzählen – der 10er DuG-Kurs verzaubert die Hohner Kirche

Eine Reise durch Kindheit, Liebe, Verlust und Hoffnung im Spiel von Licht und Dunkelheit.

 

Ein leiser Atemzug, dann völlige Dunkelheit. Stille legt sich über die Hohner Kirche. Schließlich durchbricht eine klare Stimme die Spannung: „Das große Glück ist manchmal ganz klein.“ Mit diesen Worten einer Schülerin erscheint die erste Szene auf der Leinwand – sanft eingeblendete Silhouetten, die ein Kinderzimmer andeuten. So beginnt eine Reise durch das Leben, mit all seinen Höhen und Tiefen, durch Glück und Trauer, Anfang und Ende.

Am 24. September 2025 verwandelte sich die Evangelische Kirche in Lengerich-Hohne in einen besonderen Ort der Begegnung. Anlass war der Stiftungsabend der Stiftung für denkmalwerte Kirchen im Evangelischen Kirchenkreis Tecklenburg. Das Datum war dabei nicht zufällig gewählt: Vor genau 100 Jahren, am 9. August 1925, wurde die kleine Bruchsteinkirche mit Turm feierlich eingeweiht – ein Bau, dessen Geschichte eng mit den Menschen des Stadtteils verbunden ist. Schon damals war die Gemeinde durch Industrialisierung gewachsen, im „Kirchenkampf“ der 1930er-Jahre entstand hier die Bekennende Kirche.

Neben einem eigens zum Jubiläum produzierten Film von Pfarrer i. R. Harald Klöpper bot der Abend ein künstlerisches Highlight: Unser 10er Kurs des Faches „Darstellen und Gestalten“ präsentierte das Schattenspiel „Zwischen Licht und Schatten“.

Eine Reise durch das Leben

Seit dem Frühjahr hatten die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Herrn do Ó  und Frau Langer im DuG-Unterricht ihr Stück entwickelt – jede Szene ein Kapitel des Lebens. Schwangerschaft und Geburt, die Unschuld der Kindheit, die erste Liebe voller Leichtigkeit, die Herausforderungen des Erwachsenwerdens, Freundschaft, Verlust, Hoffnung und schließlich die Weisheit des Alters. Mit ausgewählten Zitaten, starker Musik und eindrucksvollen Schattenbildern wurde das Publikum durch emotionale Höhepunkte und tiefe Brüche geführt.

Leichtigkeit und Neugier erfüllten den Raum, als im Spielplatzbild die Kinder tobten, begleitet von Astrid Lindgrens Ermutigung: „Sei frech und wild und wunderbar.“ Doch das Leben bringt auch Brüche. „Erwachsen werden heißt nicht, alles zu wissen, sondern mutig genug zu sein, es herauszufinden“ – dieser Satz stand wie ein Leitmotiv über der Suche nach dem eigenen Weg. Freundschaft, Liebe und Zusammenhalt gaben Kraft, aber auch Verlust und Schmerz wurden spürbar. Der Kirchenraum bebte, als dramatische Musik den Tod eines geliebten Menschen begleitete. Am Ende jedoch überwog der Aufbruch. Ein Sonnenaufgang füllte die Leinwand mit Licht, Hoffnung kehrte zurück – und mit ihr die Worte Mahatma Gandhis: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“

Schule und Kirche – Begegnung der Generationen

Für viele Schülerinnen und Schüler war es der erste Auftritt überhaupt – entsprechend groß war die Aufregung. Umso beeindruckender, wie intensiv sie die Botschaft ihres Stücks vermittelten. „Das war Gänsehaut pur“, so eine Besucherin nach der Aufführung. Auch Superintendent André Ost zeigte sich begeistert und sprach spontan eine Einladung zu einer zukünftigen Wiederholung aus.

Die Verbindung von jungen Menschen mit der Geschichte eines hundertjährigen Kirchengebäudes und dem überwiegend älteren Publikum machte den Abend zu etwas Besonderem. Die Kirche in Hohne mit ihrem mobilen Altar und der flexiblen Bestuhlung bot dafür ideale Voraussetzungen.

Ein starkes Zeichen

Für unsere Schule war der Abend ein voller Erfolg, da sie mit dem Fach „Darstellen und Gestalten“ - das in NRW als Hauptfach in dieser Form nur an Gesamtschulen existiert - ihr künstlerisches Profil eindrucksvoll unter Beweis stellen konnte . Schon im vergangenen Jahr hatten Schülerinnen und Schüler aus Jahrgang 10 im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Krieg und Frieden“ mit einem Schattentheater zur Straßenoper „Im Westen nichts Neues“ für Aufmerksamkeit gesorgt.

Diesmal war es die intensive Auseinandersetzung mit dem Leben selbst, die das Publikum bewegte. „Zwischen Licht und Schatten“ hat nicht nur die Herzen berührt, sondern auch gezeigt, wie lebendig Kunst junge Menschen mit Geschichte, Glauben und Gemeinschaft verbinden kann.

 

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