Politik zum Anfassen: Demokratiebildung in der Schule
Infoveranstaltung zur Kommunalwahl für die Oberstufe im neuen Mehrzweckraum
Am Dienstag, den 09.09.2025, war der Mehrzweckraum in unserem neuen Oberstufengebäude der Treffpunkt für eine ganz besondere Veranstaltung. Im Vorfeld der Kommunalwahl am 14.09.2025 hatte unsere Schule gemeinsam mit dem Jugendbeirat die komplette Oberstufe zu einem Austausch mit politischen Vertreterinnen und Vertretern der Stadt Lengerich eingeladen. Ziel der Infoveranstaltung war es, den Schülerinnen und Schülern nicht nur die Bedeutung der bevorstehenden Wahl zu vermitteln, sondern auch die lokale Politik erlebbar zu machen und für ihre Anliegen ein Forum zu bieten.
Vorbereitung auf die Podiumsdiskussion:
In den ersten beiden Stunden des Tages wurden die Jugendlichen intensiv auf die Podiumsdiskussion mit den politischen Vertreterinnen und Vertretern vorbereitet. Zunächst stellte der Jugendbeirat um Finnja von Düllen seine Arbeit vor. Die Schülerinnen und Schüler erfuhren, welche Aufgaben der Jugendbeirat übernimmt und wie dieser Einfluss auf politische Entscheidungsprozesse im Stadtrat nimmt. Ein kurzer Crashkurs zur Kommunalwahl brachte den Jugendlichen schließlich näher, was bei der Wahl alles auf dem Spiel steht. Es geht dabei nicht nur um die Wahl eines neuen Bürgermeisters, sondern ebenso um die Wahl der Vertreterinnen und Vertreter für den Lengericher Stadtrat und den Steinfurter Kreistag. Zugleich wird auch eine Landrätin oder ein Landrat für den Kreis Steinfurt bestimmt.
Im Anschluss daran ging es direkt in die Arbeit: In verschiedenen Barcamps sammelten die Schülerinnen und Schüler ihre Wünsche, Anregungen und Fragen zu fünf zentralen Themenbereichen: Sport, Mobilität, Stadtleben, Freizeit und Bildung. Die Ergebnisse wurden in Wortwolken zusammengefasst und bildeten die Grundlage für die anschließende Diskussion mit den Politikerinnen und Politikern.
Wünsche und Anliegen der Jugendlichen:
In den Barcamps wurde schnell deutlich, welche Themen den Jugendlichen besonders am Herzen lagen. Der Wunsch nach einem Jugendcafé in der Fußgängerzone, das mit Billardtischen und einer PS5 zum Spielen auf einer großen Leinwand ausgestattet ist, stieß auf große Zustimmung. Auch ein Open-Air-Fitnesspfad mit Sportgeräten, ein hochwertiger Soccer-Court, ein Kino sowie die Forderung nach mehr Grünflächen und besseren ÖPNV-Verbindungen wurden lautstark in Gesprächen geäußert.
Der Austausch mit der Politik:
In der dritten und vierten Stunde war es dann endlich so weit: Aktuelle Vertreterinnen und Vertreter des Lengericher Stadtrats stellten sich den Fragen der Schülerinnen und Schüler. An der Podiumsdiskussion nahmen teil: Hartmut Grünagel (CDU), Marion Krasting (Bündnis 90/Die Grünen), Andreas Kuhn (SPD), der amtierende Bürgermeister Wilhelm Möhrke sowie die Bürgermeisterkandidaten Michael Rottmann (Parteilos) und Björn Schilling (SPD). Moderiert wurde die Veranstaltung von Frau Lünsmann und Herrn do Ó.
Die Diskussion nahm schnell Fahrt auf, als es um das Thema Mobilität ging. Es wurde über bessere Busverbindungen und Radwege gesprochen, und die Politikerinnen und Politiker erklärten, wie wichtig es sei, konkrete Vorschläge über den Jugendbeirat weiterzugeben. Besonders diskutiert wurde die Idee eines Deutschlandtickets für Schülerinnen und Schüler. Doch die Kommunalpolitiker mussten schnell einräumen, dass dies aufgrund finanzieller Hürden in Lengerich nicht realisierbar sei, und verwiesen stattdessen auf das Westfalenticket. Eine Schülerin brachte dann ihre Erfahrung mit dem Westfalenticket zur Sprache, das in der Praxis offenbar nicht die gewünschten Vorteile bietet, was die Politiker überraschte und zu einem versprochenen Nachhaken anregte.
Das Thema Sport stieß ebenfalls auf großes Interesse. Der schon im Barcamp geäußerte Wunsch nach einem jederzeit öffentlich zugänglichen Soccer-Court, wurde direkt an die Politik adressiert. Die Politikerinnen und Politiker erläuterten, dass es schon viele öffentliche „Bolzplätze“ gebe und zählten diese auf. Gleichzeitig erläuterten sie, dass Versicherungsfragen für die freie Nutzung der Sportflächen der Sportvereine häufig ein Hindernis darstellten.
Die Themen Stadtleben und Bildung wurden ebenfalls ausgiebig besprochen. Der Wunsch nach mehr Sicherheit in der Innenstadt oder am Bahnhof und einer besseren Ausstattung der Schulen – wie etwa einem Aufzug im Oberstufengebäude – wurde von den Schülerinnen und Schülern immer wieder betont. Bürgermeister Möhrke zeigte Verständnis für diese Anliegen, konnte jedoch nicht auf alle Fragen direkt antworten.
Ein erfolgreicher Austausch:
Am Ende des Tages waren sich alle einig: Ein solches Format des Austauschs sollte regelmäßig stattfinden. Die Jugendlichen hatten die Möglichkeit, ihre Anliegen direkt an die Politikerinnen und Politiker heranzutragen, und die Vertreterinnen und Vertreter der Politik konnten ein besseres Verständnis für die Bedürfnisse der jungen Generation entwickeln. Besonders hervorgehoben wurde der wertvolle Beitrag des Jugendbeirats, der durch seine Arbeit und Organisation den politischen Diskurs in Lengerich aktiv mitgestaltet.
Die Veranstaltung fand großen Anklang und zeigte, wie wichtig es ist, die Jugend frühzeitig in politische Entscheidungsprozesse einzubinden. Ein regelmäßiger Dialog zwischen Jugendlichen und der lokalen Politik kann dazu beitragen, dass politische Themen greifbarer werden und Jugendliche nicht nur als passive Wähler, sondern auch als aktive Mitgestalter wahrgenommen werden.
Ein weiteres positives Ergebnis der Veranstaltung war die klare Botschaft, dass Politik mehr ist als nur Wahlen. „Politik heißt, sich einzumischen“, fasste Bürgermeister Wilhelm Möhrke das Motto der Veranstaltung treffend zusammen. Und auch die Schülerinnen und Schüler haben das klar verstanden: Wer etwas verändern möchte, muss sich einbringen – und das geht auch über die Schulbank hinaus.














